Trauer

Oh mein Papa...

Heute vor 9 Wochen habe ich ihn das letzte Mal gesehen und das letzte Mal mit ihm gelacht. Als ich ging, dachte ich nicht im Geringsten daran, dass ich ihn nie wiedersehen werde.

Am Abend rief meine Schwester an, unser Papa wurde bewusstlos im Bett aufgefunden und befand sich im Krankenhaus. Wir waren die ganze Nacht bei ihm auf der Intensivstation, meine Schwestern, meine Mama und ich.

Am Morgen ist er an Organversagen, bedingt durch ein blutendes Magengeschwür, gestorben.

Das war am 04. Oktober 2014.

Ich bin noch immer traurig bis ans Ende der Welt. Wenn ich nur an ihn denke, kommen mir die Tränen.

Und es ist wie Glashaus es besungen hatte:

Es fehlt ein Stück, haltet die Welt an.

Der Tod gehört zum Leben, aber was bringt mir das, wenn ich mir nichts sehnlicher wünsche als mit meinem Papa zu reden, ihn zu drücken, mich von ihm veräppeln zu lassen.

Man ist in seiner Trauer alleine, meine Mama und meine Schwestern möchte ich nicht belästigen, denen geht es selbst zu schlecht.

Und mein Freund, der liebste und verständnisvollste Mensch auf der Welt, der soll nicht ständig von mir heruntergezogen werden, weil ich wieder und wieder weine. Kleinigkeiten, die mich an meinen Papa erinnern und schwupps, da sind meine Augen wieder bis obenhin mit Tränen gefüllt. Trauer muss man mit sich alleine ausmachen, da hilft kein Reden. Worüber will man auch reden? Man kann sich Erinnerungen ins Gedächtnis rufen, sie belachen oder beweinen. Mal so, mal so. Aber durch die Trauer muss man durch. Wenn man dachte, dass Liebeskummer das Schlimmste ist, was man in seinem Leben erlebt hat, kann ich euch versichern, dass der tatsächliche Verlust um einen Menschen kein Vergleich ist. Die Gewissheit eine Person niemals wiedersehen zu können, ist das Schmerzlichste, was ich mir vorstellen kann.

Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass es einen so umhaut, wenn ein Elternteil stirbt, man weiß ja schließlich, dass Eltern irgendwann sterben und das in den meisten Fällen vor ihren Kindern. In den ersten Wochen war ich einfach nur leer, leer, leer und habe mir gewünscht morgens einfach nicht mehr aufzuwachen. Ich konnte nicht und wollte nicht aufstehen, mein Körper fühlte sich an als wenn ich einen Mördermuskelkater hätte. Hätte ich meinen chéri nicht, ich wäre tagelang im Bett geblieben.

Was mich am Meisten erschüttert hat ist, dass meine Schwester tatsächlich in solch einer Phase von ihrer Arbeitskollegin angegriffen wird, weil sie schlechte Laune verbreite. Ähm hallo?

Scheinbar hat man kein Recht zu trauern. Vielleicht gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, in dem festgelegt ist, dass man nach 7 Tagen wieder gut drauf sein soll, nicht mehr weint und hach ja, einfach akzeptiert, dass da jemand gestorben ist.

Jeder ist anders und jeder trauert anders, wenn man zu jemandem eine starke Bindung hat, dann trifft einen der Verlust auf ganz schmerzhafte Weise. Hat man keine Bindung oder ist vielleicht einfach emotionslos, dann kann man so einen Verlust schnell abschließen.

Wir jedenfalls sind das nicht, mein Papa war sehr herzlich und wir sind es auch.

"Man sagt, die Zeit heile alle Wunden. Dem Stimme ich nicht zu. Die Wunden bleiben, mit der Zeit schützt die Seele den gesunden Verstand und bedeckt ihn mit Narbengewebe und der Schmerz lässt nach, aber er verschwindet nie." 

Das Zitat ist von Rose Kennedy der Mutter des ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. 

5.12.14 15:00, kommentieren